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Programm
Kongressbuch 2011
Kongressbuch 2009

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Veranstalter:

Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie
Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie
(gemeinnützige Organisation)
Fortbildung in trauma- und körperorientierter schulenübergreifender Psychotherapie

Trauma-Institut-Leipzig
Trauma-Institut-Leipzig an der Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie

Fortbildungszyklen für Traumafachberater und Psychotraumatherapeuten

Psychotraumazentrum Leipzig, e. V
Psychotraumazentrum Leipzig e. V.
SAFE®-Kurse - Sichere Ausbildung für Eltern zur Förderung einer sicheren Eltern - Kind - Bindung

Programm

Präsymposium, Donnerstag 16.06.2011
Hauptsymposium, Freitag 17.06. bis Samstag 18.06.2011
Postsymposium, Sonntag 19.06. bis Montag 20.06.2011

deutsch      english
Die Symposien werden bei Bedarf in deutsch und englisch übersetzt.

Donnerstag, 16.06.2011

Präsymposium

Am Workshoptag werden vier aufeinanderfolgende Workshops angeboten, die durch die Teilnehmer in der Abfolge besucht werden können. Das bedeutet es gibt einen pauschalen Gesamtanmeldepreis für die Besucher und man hat dadurch Zugang für alle vier Workshops im Paket. Wir möchten mit dieser Variante prüfen, ob dadurch die Atmosphäre noch familiärer wird und eventuell konkurrierende Konzepte mehr kooperativ verglichen werden könnten. Wir sind gespannt auf Ihre Resonanz.

Zeit

Donnerstag, 16.06.2011 – Workshoptag

12:00

Öffnung des Tagungsbüros

12:30

TwomblyLICSW Joanne Twombly (Boston, USA)

 

Über das Auftreten von Täterintrojekten während EMDR

Im Workshop werden nach kurzen theoretischen Erläuterungen zu Übertragungs-Problemen bei komplextraumatisierten Patienten mit den Workshopteilnehmern Fallbeispiele aus der Praxis diskutiert. Bei diesen Fällen dissoziativer Patienten traten während der Arbeit mit EMDR (Eye-Movement-Dezensation-Reprocessin nach Shapiro) spontane Täterintrojekte in Erscheinung. Möglichkeiten zu deren professioneller Handhabung werden aufgezeigt und gemeinsam an Fallvignetten diskutiert.

 

Vita:

1977 Syracuse University, 1984 MSW Boston College, 1995 Consultant of Clinical Hypnosis, 1999 Approved Consultant of EMDR, 2006 Facilitator of EMDR. Work Mclean Hospital Children's Centre, Belmont, MA; Army Community Services, Aschaffenburg, BRD; Family Service of Greater Boston, Malden, MA; Private Practice, Waltham, MA – since 1988.

 

Literaturauswahl:
Twombly, JH (2000). Incorporating EMDR and EMDR Adaptations into the Treatment of Clients with DID, Journal of Trauma and Dissociation, Vol. 1(2).
Twombly, JH (2001). Safe Place Imagery: Handling Intrusive Thoughts and Feelings. The EMDRIA Newsletter: Special Edition, December, EMDRIA.
Twombly, JH (2005). EMDR for Clients with Dissociative Identity Disorder, DDNOS, and Ego States, chapter in: EMDR Solutions: Pathways to Healing, ed. Robin Shapiro, Norton.
Schwartz, R.C. and JH Twombly (2007). The Integration of the Internal Family Systems Model and EMDR, chapter in: Healing the Heart of Trauma and Dissociation with EMDR and Ego State Therapy, ed. Carol Forgash and Margaret Copeley. Springer Publishing Company.

13:50

Kleine Pause, Verkaufs- und Infostände

14:00

MoserDr. Tilmann Moser (Freiburg i. B., BRD)

 

Arbeit mit zerstörerischen Beziehungsintrojekten in der körper- und traumaorientierten psychoanalytischen Arbeit

Das Kind hinter den Täterintrojekten steckt voller Angst. Loyalität und Dankbarkeit binden es an die Schutzfiguren. Diese liefern sich einen Machtkampf mit dem Therapeuten, sie wollen ihren Monopolanspruch nicht aufgeben. Es ist wichtig, die Introjekte zu externalisieren, ihnen Stimme und Raum zu geben, ihre Geschichte zu erforschen und ihre lebensrettende Funktion zu würdigen. Dann kann ihre Omnipotenzphantasie schrumpfen.

 

Vita:
Dr. Tilmann Moser, Jg. 1938, Studium Literaturwissenschaft, Journalistik, Soziologie und Politologie. Ausbildung zum Psychoanalytiker am Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt/Main. 9 Jahre Assistent und Dozent für Psychoanalyse und Kriminologie am Fachbereich Jura an der Universität Frankfurt/Main. Seit 1978 Arbeit in privater Praxis in Freiburg i.B.. Arbeitsschwer-punkte: die Integration von Körperarbeit in die Psychoanalyse; die seelischen Nachwirkungen der NS-Zeit; die seelischen Nachwirkungen repressiver Religiosität.

 

Literaturauswahl:
Moser, T. (1993): Stundenbuch. Frankfurt/M.: Suhrkamp
Moser, T. (1997): Dabei war ich doch sein liebstes Kind. München: Kösel Verlag
Moser, T. (2001): Berührung auf der Couch. Frankfurt/M.: Suhrkamp
Moser, T. (2001): Dämonische Figuren. Frankfurt/M.: Suhrkamp

15:20

Kaffeepause, Verkaufs- und Infostände

15:40

MarksDr. Renée P. Marks (Manchester, GB)

 

Behandlung von komplextraumatisierten Kindern aus Adoptiv- und Pflegefamilien

Im Seminarworkshop werden zunächst Grundlagen der sozialen, emotionalen und intellektuellen Entwicklungsbesonderheiten von Kindern in Adoptions- und Pflegefamilien dargestellt. Es sollen besonders Traumatisierungen, verursacht u.a. durch körperlichen Missbrauch, Gewalt zwischen den Eltern und die Auswirkungen von emotionaler Vernachlässigung der Kinder durch die biologischen Eltern in das Zentrum gerückt werden. Die Schwere der Auswirkungen dieser Faktoren auf die weitere seelische Entwicklung und die Ausbildung des Selbst der Kinder wird meist unterschätzt. Die unbewussten und frühzeitig bedingten Störungsmuster der geschädigten Kinder verursachen häufig Aufmerksamkeits- und Lernprobleme, auto- und fremdaggressive, dissoziative, hyperaktive sowie depressive Verhaltensauffälligkeiten, die eine Integration in neue Familien deutlich erschweren. Anhand von zahlreichen Fallbeispielen wird sowohl theoretisch und mit Hilfe eines speziellen psychotherapeutischen Behandlungsmodells ein alternativer Beratungs- und Therapieansatz beschrieben. Im Seminarworkshop besteht für alle Teilnehmer abschließend die Möglichkeit zu fallbezogenen Fragen.

 

Vita:
Dr. Renée P. Marks arbeitet derzeit als Therapeutin in eigener Praxis im Norden von England, leitet Fortbildungen und die Therapie mit Kindern. Als klinische Sozialarbeiterin und Therapeutin verfügt sie über 26 Jahre Erfahrung in der Arbeit mit komplextraumatisierten Kindern aus Adoptiv- und Pflegefamilien.

 

Literaturauswahl:
Becker-Weidman, A. (2008): Effective Treatment for Disorders of Attachment and Complex Trauma, www.Center4FamilyDevelop.com
Perry, B. (2006): Applying Principles of Neurodevelopment to Clinical Work with Maltreated and Traumatized Children.
Stern, D. (1998): The Interpersonal World of the Child London: Karnac Books.

17:00

Kleine Pause, Verkaufs- und Infostände

17:10

BrunsHedtkePTZ-Leipzig: DP Wiebke Bruns und Ute Hoppe (Leipzig, BRD)

 

Belastungsgrenze und Täterintrojekt aus dem Blickwinkel eines Elternkurses

Die ungewohnte Situation mit dem Neugeborenen in den ersten Monaten bzw. Lebensjahr führt viele Eltern an ihre Belastungsgrenze heran. Schlafmangel, Unsicherheit im Verhalten und in der Beziehung zum Baby, eigene Bedürfniszurückstellung, Uneinigkeit mit dem Partner oder den eigenen Eltern tragen häufig zu diesen Ausnahmezuständen bei und sind nach unserer Erfahrungseinschätzung und Meinung Nährboden für das unbewusste Ausleben von Täterintrojekten.
In diesem WS wird an dem prägnanten Beispiel einer videogestützten Schreiszene eines Babys ein konkretes Fallbeispiel aus dem Elternkurs SAFE® vorgestellt und diskutiert.
Dabei soll nach einer kurzen theoretischen Positionierung (Zusammenhang zwischen Belastungsmodell und Täterintrojekt) durch die beiden SAFE®-Mentorinnen und Traumafachberaterinnen (TIL) ein tiefer gehender Einblick in die praktische Arbeit mit den Eltern und deren Täterintrojekten gegeben werden. Es kann genauso auf die Frage eingegangen werden, ob wir die Eltern direkt mit ihren Täterintrojekten konfrontieren bis hin zu Überlegungen, wie vielleicht ressourcenstärkend und/ oder einsichtsfördernd dem Agieren von Täterintrojekten vorgebeugt und begegnet werden kann.

 

Vitae:
Dipl.-Psych. Wiebke Bruns aus Leipzig. Körpertherapeutin, Traumafachberaterin (TIL), Psychotraumatherapeutin i.A. (TIL, KBAP), Gründungsmitglied des Psychotraumazentrums Leipzig e.V., SAFE®-Mentorin (bindungsorientiertes Fortbildungsprojekt für werdende Eltern nach Brisch, LMU-München), Selbstständige Kursleitertätigkeit im Bereich Psyche & Körper. Mehrjährige klinische Tätigkeit als Psychologin..

Ute Hoppe – Traumafachberaterin seit 2008.
Geb. 1963, Dipl.(FH) Ing. Tiefbau, SAFE – Mentorin (nach Prof. Brisch, LMU München), Stellvertretende Vereinsvorsitzende und Mitbegründerin des Psychotraumazentrum Leipzig e.V.

 

Literaturauswahl:
Brisch, Karl-Heinz (2008): Bindungsstörungen. Von der Bindungstheorie zur Therapie. Stuttgart: Klett-Cotta.
Brisch, Karl Heinz (2010): Sichere Ausbildung für Eltern. SAFE®. Stuttgart: Klett-Cotta.
Huber, Michaela (2003): Trauma und Traumabehandlung. Teil 1+ 2. Paderborn: Junfermann.
Hüther, Gerald (2009): Biologie der Angst: wie aus Stress Gefühle werden (9. Aufl.). Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht.
Peichl, Jochen (2007): Die inneren Trauma-Landschaften. Stuttgart: Schattauer.
Vogt, Ralf (2004): Beseelbare Therapieobjekte: strukturelle Handlungsinszenierungen in einer körper- und traumaorientierten Psychotherpie. Gießen: Psychosozial-Verlag.
Vogt, Ralf (2007): Psychothrauma, State, Setting. Gießen: Psychosozial-Verlag.

18:00

Winja Marie LutzWinja Marie Lutz (TIL Leipzig, BRD)

 

Täterintrojekte in der zeitgenössischen Kunst
Wie zeigt sich die Trauma-Geschichte eines Künstlers in seiner Kunst? Es gibt komplexe Zusammenhänge, durch die alte Kindheitstraumata, Kunst und die Dynamiken des Kunstmarktes miteinander verstrickt sind. Auch Täterintrojekte zeigen sich hier in vielfältigen Re-Inszenierungen, auf Seiten des Künstlers z.B. durch Re-Inszenierungen mit dem Konsumenten in der Täterrolle, sowie auch auf Seiten des Kunst-Konsumenten z.B. durch die Förderung von Kunst mit hoher Traumaladung. Im Vortrag sollen diese wechselseitigen Dynamiken beleuchtet und mit Bild- und Video-Beispielen deutlich gemacht werden.

 

Vita:

Geboren 1974, Erzieherin, Diplom bildende Künstlerin, Studentin der Psychologie, Traumafachberaterin in Ausbildung. Arbeit als Künstlerin, als Erzieherin in der stationären Jugendhilfe, als wissenschaftliche Mitarbeiterin in psychotherapeutischer Praxis und als Dolmetscherin (English-Deutsch) im traumatherapeutischen Fachbereich. Längere Aufenthalte in London und San Francisco.

 

Literaturauswahl:
Ravenhill, M. (1998): Shoppen und Ficken. in: Playspotting. Hamburg: Rowohlt Verlag.
Verweyst, M. (2000): Das Begehren der Anerkennung. Campus Fachbuch Verlag.
Widmer, P. (1997): Subversion des Begehrens. Verlag Turia + Kant.

18:30

Veranstaltungsende

 

Freitag, 17.06. – Samstag, 18.06.2011

Hauptsymposium

An den Vortragstagen werden Fachvorträge präsentiert, die sich speziell mit dem Thema der Täterintrojekte in der Psychotherapie von Kindern und Erwachsenen befassen.
Am Freitag kommen dabei mehr Forschungsbeiträge aus Kliniken und Praxen zu Gehör – am Samstag liegt der Schwerpunkt etwas mehr im Bereich der Darstellung von Theoriekonzepten und Fallbeispielen.
Wir hoffen als Veranstalter, dass wir durch die breite Referentenpalette eine fruchtbare Lern- und Diskussionsatmosphäre erzeugen können. Wir wünschen uns als Veranstalter, dass durch diese Vielfalt sowohl Ihre Neugier als Teilnehmer als auch Ihr Interesse als KollegIn zur Integration von neuen Trends der Psychotraumatologie hervorgerufen wird.

Zeit

Freitag, 17.06.2011, 1. Vortragstag

8:15

Öffnung des Tagungsbüros

9:00

RossDr. Colin Ross (Richardson, USA)

 

Das Täterintrojekt als der große General im dissoziativen Patienten

Im diesem Beitrag wird zunächst ein historischer Überblick zum Begriff des Täterintrojekts in der Behandlung von dissoziativen Störungen in Amerika gegeben. Dabei werden die wichtigen Akzentverschiebungen und Veränderungen in den diagnostischen und therapeutischen Meinungen der letzten 30 Jahren abgedeckt.
Im weiteren wird der Vortragende zeigen wie einfache und komplizierte destruktive Täterintrojekte behandelt werden können und wie dies im TMT-Ansatz (Trauma-Model-Therapy) praktiziert wird. Es zeigt sich dabei oftmals, dass omnipotente Kinderanteile mit starken täteridentifizierten Introjekten verknüpft sind, die eine ganz bestimmte logische Struktur haben. Solche Strukturen sollten mit ihnen angepassten therapeutischen Dialog-Methoden behandelt werden. Interessante Patientenbeispiele sollen illustrieren wie dies in der Praxis funktioniert. Anhand von Modelldialogen soll gezeigt werden, wie die grundlegenden Probleme dissoziativer Patienten und ihre Stagnations-Phänomene auf verschiedene Formeln runtergebrochen werden können, indem sie in den TMT Ansatz eingearbeitet und der Behandlung zugänglich gemacht werden.
Dieser Vortrag wird mit einer Vielzahl von Thesen und Ableitungen abschließen, wie sie für die effektive Diagnostik und Therapie von Täter Introjekten im TMT Konzept entwickelt wurden.

 

Vita:
Dr. Ross ist ein international anerkannter Kliniker, Forscher, Autor und Lektor auf dem Gebiet der Dissoziation und Psychotraumafolgestörungen. Er ist Gründer und Präsident des Colin A. Ross Institut für Traumapsychologie.
Dr. Ross absolvierte an der Universität von Alberta 1981 seinen psychiatrischen Abschluss als Medical Doctor (MD) und vervollständigte seine Ausbildung an der Universität von Manitoba 1985. Seit 1991 arbeitet er zum eigenen TMT-Konzept in Dallas, Texas (USA).
Er ist Past President of the International Society for the Study of Trauma and Dissociation (ISSTD) und besitzt große Verdienste im Bereich Lehre und Forschung zu hochdissoziativen, komplexentraumatisierten Störungen.

 

Literaturauswahl:
Ross, C. (2000): The Trauma Model: A Solution to the Problem of Comorbidity in Psychiatry.
(zweite Auflage 2007)
Ross, C. (2004): Innovations in Diagnosis and Treatment.
Ross, C. (2006): The C.I.A. Doctors: Human Rights Violations by American Psychiatrists.
Sowie Moon Shadows: "Stories of Trauma & Recovery".
Zusätzlich hat Dr. Ross über 130 Artikel für zahlreiche Journale geschrieben.

10:15

Kaffeepause sowie Buch-, CD-, Infostände

10:45

FreybergerProf. Harald Freyberger (Universität Greifswald/Stralsund, BRD)

 

Zu den Täterintrojekten nach politischer Verfolgung in der DDR und der Vorgeschichte der NS-Diktatur

In den Biographien vor allem älterer Menschen im Osten finden sich überlagernde Spuren von Täterintrojekten aus den beiden aufeinander folgenden deutschen Diktaturen. Einzugehen ist in diesem Zusammenhang an die politische Verfolgung während der NS-Diktatur, die Kriegsvergewaltigungen am Ende des II. Weltkriegs und die folgenden Erfahrungen politischer Verfolgung, Zersetzung und Haft in der DDR. Hierzu werden eine Reihe von empirischen Untersuchungen mit den unterschiedlichen Verfolgtengruppen dargestellt und anhand ausgewählter Kasuistiken erörtert.

 

Vita:
Prof. Dr. Harald J. Freyberger ist ordentlicher Professor für Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universität Greifswald und Direktor der entsprechenden Universitätsklinik an den Standorten Stralsund und Greifwald. Seine Arbeits- und Forschungsschwerpunkte betreffen Diagnostik und (genetische) Epidemiologie, Dissoziations- und Traumaforschung sowie Psychotherapieforschung. Er ist Mitherausgeber der Zeitschriften Trauma & Gewalt, Psychodynamische Psychotherapie und der Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie.

 

Literaturauswahl:
Freyberger, H.; Freyberger, H. J. (2009): Ganz normale Männer und ganz normale Familien? Ein Beitrag zur Nazitäter-Psychologie. Artikel in div. Zeitschriften veröff.
Spitzer, C.; Freyberger, H.J. (2008): Geschlechtsunterschiede bei dissoziativen Störungen. In Z. Bundesgesundheitsblatt – Geundheitsforschung - Gesundheitsschutz, H 51, S. 46-52
Freyberger, H.J.; Heuft, G.; Ziegenhagen, D.J. (2000): Ambulante Psychotherapie. Stuttgart: Schattauer

12:00

Mittagsimbiß vor Ort sowie Buch-, CD-, Infostände

13:00

Veranstaltungshinweise

13:05

HuberDP Michaela Huber (Göttingen, BRD)

 

Täterloyalität und Täteridentifikation: Verstehen, erkennen, verändern

Die meisten Gewalt-TäterInnen haben selbst zwar nicht unbedingt dieselbe Art von Grausamkeit erlebt, die sie anwenden; aber doch massive Entwertung, radikalen Bindungsverlust und gegen Sie gerichtete Brutalität. Täterverhalten wird also meist sozial "vererbt". Die meisten Gewaltopfer werden jedoch nicht gewalttätig gegen andere. Sondern sie zer-quälen sich selbst: mit Selbsthass, Selbstverletzung, mit dem Torpedieren eigener Fortschritte und Erfolge. Das bekommen wir auch in der Psychotherapie zu spüren. Wie können wir mit hartnäckiger Täterloyalität und Täteridentifikation umgehen? Denn eines ist sicher: Erst wenn wir – und wenn die Persönlichkeit der KlientIn selbst – dem Täterintrojekt "die Hand hinstrecken" kann, beginnt sich etwas zu verändern…

 

Vita:
Michaela Huber, Jahrgang 1952, ist psychologische Psychotherapeutin, Supervisorin und Ausbilderin in Traumabehandlung, niedergelassen in Kassel. Sie ist 1. Vorsitzende der deutschen Sektion einer internationalen Traumafachgesellschaft, der ISSD (International Society for the Study of Dissociation) und erhielt den "Internationalen Distinguished Achievement Award" der ISSD für ihre Verdienste auf dem Gebiet der Publikation und Fortbildung zum Thema der schweren traumatischen, dissoziativen Störungen. Sie ist Mitbegründerin des Zentrums für Psychotraumatologie in Kassel.
2008 wurde Michaela Huber aufgrund ihrer Verdienste für die Behandlung von schwer traumatisierten Menschen mit Bundesverdienstkreuz geehrt.

 

Literaturauswahl:
Huber, M. (2003): Wege der Traumabehandlung, Teil I. Paderborn: Junfermann
Huber, M. (2003): Trauma und die Folgen, Teil II. Paderborn: Junfermann
Huber, M. (2005): Der innere Garten. Ein achtsamer Weg zur persönlichen Veränderung. Paderborn: Junfermann
Huber, M. (2009): Von der Dunkelheit zum Licht. Paderborn: Junfermann

14:20

kurze Pause sowie Buch-, CD-, Infostände

14:30

R.VogtDr. Ralf Vogt (TIL-Leipzig, BRD)

 

Täterintrojekte in der Einzel- und Gruppenpsychotherapie – Diskussionsansatz und Forschungsergebnisse mit SPIM-20-KT

Zunächst werden im Rahmen theoretischer Abwägungen die Begriffsschwierigkeiten des Introjektterminus herausgearbeitet. Dabei werden auch Missverständnisse und Beziehungsängste mit diesem Begriff zwischen therapeutischen Schulen bzw. bei der Verwendung des Begriffes in der alltäglichen Psychotraumapraxis gegenübergestellt und Hypothesen für diese Verwirrung aufgestellt.
Es könnte u.a. sein, dass so wie der Psychotraumabegriff vor Jahren allgemein – auch der Terminus der Täterintrojekte heute ebenso psychodynamische Unruhe an den unbewussten Paradigmen stiftet. Alsdann werden auch eigene Modellauffassungen zur Introjektion und Implantation aus dem Behandlungskonzept SPIM-20-KT vorgestellt und anhand von Fallvignetten erläutert. Im zweiten Teil des Vortrages referiert der Autor Forschungsergebnisse aus der ambulanten Praxis zur Verwendung des Introjektbegriffes und zur von komplextraumatisierten / dissoziativen Patienten erlebten Nützlichkeit von Introjektbearbeitungssettings, welche zuvor in ihrer Anwendungsstruktur kurz vorgestellt wurden.
Dabei zeigen sich interessante Veränderungstendenzen in der qualitativen und quantitativen Wahrnehmung von Introjektstrukturen, welche dem aktuellen Therapiestand der Klienten bzw. der therapeutisch erworbenen Introjektdistanz sowie deren bewussten Regulierbarkeit entsprechen.
Abschließend werden aus den theoretischen Vorüberlegungen, empirischen Behandlungsbeobachtungen sowie den ersten Ergebnissen der Forschungspilotstudie zusammenfassende Ableitungen getroffen, wie die alltägliche Arbeit mit komplextraumatisierten / dissoziativen Patienten möglicherweise effektiver gestaltet werden könnte sowie weiter erforscht werden sollte.

 

Vita:
Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Ralf Vogt aus Leipzig. Psychotraumatologe, Psychoanalytiker, Analytischer Körperpsychotherapeut, Familientherapeut und EMDR-Therapeut. Leiter der Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie und des Trauma-Instituts-Leipzig. 8 jährige Tätigkeit als klinischer Psychologe in einer psychiatrischen Klinik in Sachsen. Seit 1992 Niederlassung als psychologischer Psychotherapeut in Sachsen.
Seit 1996 Entwicklung des Behandlungskonzeptes der beseelbaren Therapieobjekte (Vogt, 2004). Seit 2000 Entwicklung des Somatisch-Psychologisch -Interaktionalen Modells zur Behandlung Komplextraumatisierter u.a. Störungen (SPIM-20-KT als trauma- und körperorientiertes Einzel- und Gruppentherapiekonzept. Manualisiertes Vorgehen und Evaluation in Vogt (2007)).

 

Literaturauswahl:
Vogt, R. (2004): Beseelbare Therapieobjekte. Strukturelle Handlungsinszenierungen in einer körper- und traumaorientierten Psychotherapie. Gießen: Psychosozial-Verlag (Monografie)
Vogt, R. (2007): Psychotrauma, State, Setting. Psychoanalytisch-handlungsaktives Modell zur Behandlung von Komplex-Traumatisierten u. a. Störungen (SPIM-20-KT). Gießen: Psychosozial-Verlag (Monografie)
Vogt, R. (Hrsg., 2008): Körperpotenziale in der traumaorientierten Psychotherapie. Aktuelle Trends in körperorientierter Psychotraumatologie, Hirnforschung und Bewegungswissenschaften. Gießen: Psychosozial Verlag (Sammelband)
Vogt, R. (2010): Ekel als Folge traumatischer Erfahrungen. Psychodynamische Grundlagen und Studien, psychotherapeutische Settings, Fallbeispiele Gießen: Psychosozial Verlag (Sammelband)

15:45

Kaffeepause sowie Buch-, CD-, Infostände

16:10

BrunsDP Wiebke Bruns (PTZ-Leipzig, BRD)

 

Identifizierung von Täterintrojektseiten bei werdenden Eltern anhand des AAI-Fragebogens

Mittels des AAI (Adult Attachment Interview) einem international anerkannten Erfassungsinstrument für das Bindungsverhalten Erwachsener können werdende Eltern bereits zu Beginn eines Elternkurses in der Schwangerschaft für eigene Täterintrojekte sensibilisiert werden, so dass im Verlauf der Treffen einsichtig und prozessfördernd auf das gewonnene Erfahrungswissen zurückgegriffen werden kann. Transgenerationale Phänomene bei der Weitergabe von Introjekten können mit Hilfe der Fragen des AAI in Ansätzen dargestellt und bewusst gemacht werden.
Anhand einer Fallvignette soll der Entwicklungsverlauf einer jungen Familie vorgestellt und im Hinblick auf die Täterintrojektstrukturen diskutiert werden. Praktische Selbsterfahrungselemente wie Rollenspiele, Videoaufzeichnungen, Statements, spielerischer Umgang mit beseelbaren Objekten (KSHP) und theoretisches Wissen, wie es anwendungsbezogen in den Elternkursen SAFE® Vermittlung findet, werden Inhalt des Vortrags sein.

 

Vita:
Dipl.-Psych. Wiebke Bruns aus Leipzig. Körpertherapeutin, Traumafachberaterin (TIL), Psychotraumatherapeutin i.A. (TIL, KBAP), Gründungsmitglied des Psychotraumazentrums Leipzig e.V., SAFE®-Mentorin (bindungsorientiertes Fortbildungsprojekt für werdende Eltern nach Brisch, LMU-München), Selbstständige Kursleitertätigkeit im Bereich Psyche & Körper. Mehrjährige klinische Tätigkeit als Psychologin..

 

Literaturauswahl:
Brisch, K.-H. (2008): Bindungsstörungen. Von der Bindungstheorie zur Therapie. Stuttgart: Klett-Cotta.
Brisch, K.-H. (2010): Sichere Ausbildung für Eltern. SAFE®. Stuttgart: Klett-Cotta.
Gloger-Tippelt, G. Hrsg. (2001): Bindung im Erwachsenenalter. Bern: Huber.
Gloger-Tippelt, G. u. Hofmann, V. (1997). Das Adult Attachment Interview: Konzeption, Methode und Erfahrungen im deutschen Sprachraum. Kindheit und Erziehung, 3, 161 - 172.
Huber, M. (2003): Trauma und Traumabehandlung. Teil 1+ 2. Paderborn: Junfermann.
Main, M.; Kaplan, N.; Cassidy, J. (1985): Security in Infancy, Childhood, and Adulthood: A Move to the Level of Representation. Monographs of the Society for Research in Child Development, Vol. 50, No. 1/2, Growing Points of Attachment Theory and Research, pp. 66-104
Peichl, J. (2007): Die inneren Trauma-Landschaften. Borderline. Ego-State. Täter Introjekt. Stuttgart: Schattauer.
Vogt, R. (2004): Beseelbare Therapieobjekte: strukturelle Handlungsinszenierungen in einer körper- und traumaorientierten Psychotherpie. Gießen: Psychosozial-Verlag.
Vogt, R. (2007): Psychothrauma, State, Setting. Gießen: Psychosozial-Verlag.

16:55  kurze Pause sowie Buch-, CD-, Infostände
17:05

PfäfflinProf. Friedemann Pfäfflin (Universität Ulm, BRD)

 

Täter – Täter & Opfer – Therapie

In dem Beitrag werden am Beispiel von Sexualstraftaten strukturelle Hintergründe straffälligen Verhaltens  untersucht und es wird den Fragen nachgegangen, inwiefern frühere eigene Traumatisierungen zu späterem Tatverhalten beitragen, inwiefern ein Täter auch durch seine eigene Tat traumatisiert werden kann und welche Rolle die Auseinandersetzung mit der Tat bei der Psychotherapie von Sexualtätern spielt.

 

Vita:
Prof. Dr. med. Friedemann Pfäfflin, FA Psychiatrie; FA Psychosomatische Medizin & Psychotherapie; Psychoanalyse; Forensische Psychiatrie. Studium in Berlin, Tübingen, Hamburg. 1978-1992 Abteilung für Sexualforschung, Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf; 1992-2010 Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin & Psychotherapie, Sektion Forensische Psychotherapie

 

Literaturauswahl:
Pfäfflin, F. (2010): Täter und Opfer - Erfahrungen als Gerichtsgutachter. In: Schneider G, Eilts, HJ, Picht J (Hrsg.) Psychoanalyse, Kultur und Gesellschaft. DPV-Herbsttagung 2009, Bad Homburg, 18. bis 21. November 2009. Congress-Organisation Geber + Reusch, Frankfurt, 140-148
Pfäfflin, F. (2001): Inwieweit sind Täter Opfer? In: Münsterklinik Zwiefalten (Hrsg) Täter und Opfer. Hilfe für beide? Wege in Therapie und Betreuung psychisch kranker Täter und ihrer Opfer. Verlag Psychiatrie und Geschichte, Münsterklinik - Zentrum für Psychiatrie, Zwiefalten, 55-66

18:15

Veranstaltungspause, keine Verkaufsstände

20:00

Tagungsfest mit Barbecue, Kabarett mit Carolin Fischer von den akademixern, Tanz mit DJ Andy und Clownseinlagen der Leipziger Nasen

(Achtung: gesonderte Eintrittskarte notwendig)

BBQCarolin FischerDJ AndyLeipziger NasenClown

 

Zeit

Samstag, 18.06.2011, 2. Vortragstag

8:30

Öffnung des Tagungsbüros

9:00

TwomblyLICSW Joanne Twombly (Boston, USA)

 

Offenkundige und verborgene Täteranteile: ihre Anwesenheit, ihre Reinszenierung und ihre Auflösung in der Behandlung von Kindesmisshandlungs-Opfern

Dieser Vortrag befasst sich mit der Vielfalt der Persönlichkeitsanteile, die in dissoziativen Patienten vorzufinden sind, deren Verhalten von introjizierten Aspekten des Täterverhaltens und dessen Persönlichkeit angetrieben wird, und wie sie innerhalb der therapeutischen Beziehung zu behandeln und zu lösen sind. Offenkundige und verborgene Täteranteile verursachen die herausforderndsten Momente/Tage/oder Wochen für einen Therapeuten. Diese Persönlichkeitsanteile, die einige der gefährlichsten und aversivsten Verhaltensweisen und Gefühle in sich tragen, sind dazu bestimmt das Überleben des Patienten zu sichern, während sie gleichzeitig oft dafür verantwortlich sind, dass Patienten aus der Behandlung geschmissen werden, in der Behandlung mißbraucht werden, den Therapieprozess bremsen und mehr als alle anderen Anteile dafür, dass der Therapeut selber wieder in die Behandlung geht. Auf den ersten Blick können Täteranteile furchterregend, destruktiv, machtvoll, kontrollierend, ekelerregend und/oder gefährlich für sich und andere sein. Es ist von entscheidender Bedeutung zu verstehen, dass gerade diese Persönlichkeitsanteile, egal wie sie sich nach Außen präsentieren, wertvolle Schlüssel für das Überleben des Patienten beinhalten und die ein notwendiger Teil der Heilung des Patienten sind.
Offenkundige Täteranteile treten in der Behandlung auf eine Vielzahl von Arten auf, z.B. die sogenannte "Borderline-Wut"; Persönlichkeitsanteile, die sich selbst während und nach der Sitzung verstümmeln; Persönlichkeitsanteile, die sich illegal und/oder gefährlich verhalten; und Persönlichkeitsanteile, die wiederum andere Anteile terrorisieren/misshandeln. Im Idealfall lädt der Therapeut die Täteranteile dazu ein, an der Behandlung teilzunehmen, und baut die erforderliche Beziehung mit ihnen auf. Täteranteile werden dem Therapeuten auch durch seine Irrtümer und Fehltritte bekannt. Diese können unbeabsichtigt und durch Übertragungen (z.B. Worte die ich verwende, wurden auch vom Täter verwendet), ein Versehen (ich habe einen falschen Termin im Kalender eingetragen) oder einen grober Fehler (ein unvernünftiger EMDR-Einsatz führte dazu, dass andere Teile von Schmerzen überflutet wurden und ein Täter-/Schützeranteil zum Angriff überging) verursacht werden.

 

Vita:
1977 Syracuse University, 1984 MSW Boston College, 1995 Consultant of Clinical Hypnosis, 1999 Approved Consultant of EMDR, 2006 Facilitator of EMDR.
Work Mclean Hospital Children's Centre, Belmont, MA; Army Community Services, Aschaffenburg, BRD; Family Service of Greater Boston, Malden, MA; Private Practice, Waltham, MA – since 1988.

 

Literaturauswahl:
Twombly, JH (2000). Incorporating EMDR and EMDR Adaptations into the Treatment of Clients with DID, Journal of Trauma and Dissociation, Vol. 1(2).
Twombly, JH (2001). Safe Place Imagery: Handling Intrusive Thoughts and Feelings. The EMDRIA Newsletter: Special Edition, December, EMDRIA.
Twombly, JH (2005). EMDR for Clients with Dissociative Identity Disorder, DDNOS, and Ego States, chapter in: EMDR Solutions: Pathways to Healing, ed. Robin Shapiro, Norton.
Schwartz, R.C. and JH Twombly (2007). The Integration of the Internal Family Systems Model and EMDR, chapter in: Healing the Heart of Trauma and Dissociation with EMDR and Ego State Therapy, ed. Carol Forgash and Margaret Copeley. Springer Publishing Company. (zweite Auflage 2007)

10:15

Kaffeepause sowie Buch-, CD-, Infostände

10:45

MarksDr. Renée P. Marks (Manchester, GB)

 

Täterintrojekte bei dissoziativen Kindern

Zunächst sollen in diesem Vortrag die speziellen Merkmale von Introjekten bei Kindern definieren und die möglichen Diagnosewege diskutieren.
In der Behandlung von Kindern müssen Störungen oft eher anhand von Interaktionen bestimmt werden, als durch rationale Kategorisierungen, da Kinder stärker als Erwachsene dazu neigen ihr Trauma in ihrem Verhalten zu zeigen. Insofern muss der Psychotherapeut aufmerksamer gegenüber den aktuellen State-Wechseln sein und proaktiver darin sie strategisch zu lenken.
Täterintrojekte sind dementsprechend weniger offen für rationale Gesprächs-Angebote. Auf der anderen Seite sind sogar die aggressivsten und widerspenstigsten Introjekte in Kindern relativ gut erreich und umlenkbar.
Fall Vignetten aus der ambulanten Praxis der Vortragenden werden vorgestellt um die Behandlungsrichtung zu verdeutlichen. Diese Beispiele werden auch besonders widerständige Täterintrojekte in Kindern beinhalten und wie sie erfolgreich behandelt wurden.
Abschließend soll Zeit für Nachfragen und einen Austausch von individuellen Erfahrungen gegeben werden.

 

Vita:
Dr. Renée Marks arbeitet als klinische Kinder- und Jugendtherapeutin in der Nähe von Manchester in Großbritannien. Sie verfügt über eine bereits 26-jährige Berufserfahrung bei der Arbeit mit komplextraumatisierten Kindern in Südafrika und England. Ihre Spezialisierung liegt in der Konzeption zur Diagnostik und Behandlung von dissoziativen / komplextraumatisierten Kindern aus Adoptiv- und Pflegefamilien.

 

Literaturauswahl:
Becker-Weidman, A. (2008): Effective Treatment for Disorders of Attachment and Complex
Trauma, www.Center4FamilyDevelop.com
Perry, B. (2006): Applying Principles of Neurodevelopment to Clinical Work with Maltreated
and Traumatized Children.
Stern, D. (1998): The Interpersonal World of the Child London: Karnac Books.

12:00

Mittagsimbiß vor Ort sowie Buch-, CD-, Infostände

13:00

Veranstaltungshinweise

13:05

HochaufDr. Renate Hochauf (Altenburg, BRD)

 

Übertragungsspezifik von Täter-Introjekten

Die Abbildung traumatisierter Erfahrung konfiguriert sich aus einer subkortikalen Dissoziation und einer kortikalen Spaltung. Für letzteren Abwehrvorgang spielt die Prägung über Täterintrojekte eine bedeutsame Rolle:
Infolge des dissoziativen Ausnahmezustandes werden Informationen aus der Täter-Beziehung auf das Kind übertragen - im Sinne einer Introjektion. Die mentale Täterbesetzung des Kindes an dieser Stelle - infolge seiner völligen Dissoziation - ist so stark, dass es diese später bei Aktivierung (fast) von eigenen Sichtweisen nicht unterscheiden kann und - im Sinne eines Introjekts - Ich- und über ich Anteile dominiert.
Diesem Vorgang soll sowohl theoretisch als auch an Fallbeispielen nachgegangen werden.

 

Vita:
Dipl.-Psychologin 1973; Promotion 1979, 1973-1991 Psychotherapeutische Abteilung der Kreispoliklinik Altenburg; 1987 Fachpsychologin der Medizin; 1990 Lehrtherapeutin/Dozentin der MGKB (Lehrtherapie, Supervision); 1991 Niederlassung als psychologische Psychotherapeutin; 1997 Psychoanalytikerin (MIP Halle).
Seit 1996 kontinuierliche Auseinandersetzung und Weiterbildung in Traumatherapie, Schwerpunkte frühe Störungen (Borderline, frühe Traumatisierungen, Strukturentwicklung, auch prä- und perinatale Entwicklungsspezifika und Traumata)
Mitglied der ISPPM seit 2000, Vorträge, Workshops ff.
Seit 2002 Dozentin und Supervisorin des Instituts für Psychotraumatologie in Köln.

 

Literaturauswahl:
Hochauf, R.; Unfried, N. (2004): Frühe Traumata und Strukturentwicklung. unveröffentl. Arbeitsscript. Altenburg: Eigenverlag
Hochauf, R. (2007): Frühes Trauma und Strukturdefizit. Kröning: Asanger

14:20

kurze Pause sowie Buch-, CD-, Infostände

14:30

SackPD Dr. Martin Sack (TU-München, BRD)

 

Die Aneignung des Fremden als Anpassungsleistung im Dienste des Überlebens

Aggressive oder in anderer Weise scheinbar destruktive Persönlichkeitsanteile entstehen in Folge einer aktiven Anpassungsleistung an lebensbedrohliche traumatisierende Situationen. Auch aggressive oder in anderer Weise bedrohliche Persönlichkeitsanteile haben eine protektive Funktion. Der Begriff Täterintrojekt ist irreführend und fragwürdig, da die Zuwendung zu den als schwierig erlebten Persönlichkeitsanteilen durch die Attribuierung eines Selbstanteils mit Tätereigenschaften weiter erschwert wird.
Vor dem Hintergrund der aktuellen neurobiologischen Forschungsbefunde zur Entstehung von traumassoziierten Persönlichkeitsanteilen werden die unterschiedlichen theoretischen Modellbildungen vorgestellt. Insbesondere wird dabei auf die Entwicklung der persönlichen Identität und auf die Beziehung zum eigenen Körper, als von Beziehungserfahrungen und anderen äußeren Bedingungen abhängiger und störbarer Prozesse eingegangen. Die sich daraus ergebenden praktischen Konsequenzen für die Behandlung von Patienten mit komplexen Traumafolgestörungen werden diskutiert.

 

Vita:
Leitender Oberarzt der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Klinikums rechts der Isar der TU-München. Facharzt für Psychosomatische Medizin, Qualifikation in spezieller Psychotraumatherapie (DeGPT) und Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR-Supervisor), Präsident der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT). Forschungsschwerpunkte: Komplexe Traumafolgestörungen, Entwicklung von schonenden Traumatherapietechniken, Forschung zu Wirkfaktoren traumatherapeutischer Verfahren, Körperbeschwerden und psychische Traumatisierungen
Abschließend werden aus den theoretischen Vorüberlegungen, empirischen Behandlungsbeobachtungen sowie den ersten Ergebnissen der Forschungspilotstudie zusammenfassende Ableitungen getroffen, wie die alltägliche Arbeit mit komplextraumatisierten / dissoziativen Patienten möglicherweise effektiver gestaltet werden könnte sowie weiter erforscht werden sollte.

 

Literaturauswahl:
Henningsen, P.; Hartkamp, N.; Loew, T.; Sack, M. (2002): Somatoforme Störungen: Leitlinien und Quelltexte. Stuttgart: Schattauer
Sack, M. (2010): Schonende Traumatherapie: Ressourcenorientierte Behandlung von Traumafolgestörungen. Stuttgart: Schattauer

15:45

Kaffeepause sowie Buch-, CD-, Infostände

16:10

I.VogtDP Irina Vogt (TIL-Leipzig, BRD)

 

Zum Drama des zweckgelobten Kindes

Im Vortrag wird besonders die beziehungsanalytische und stresspsychologische Wurzel der allmählichen Entstehung von Täterintrojekten im manipulationsfähigen, liebesabhängigen Kind untersucht.
Es werden dazu theoretische Auffassungen von Ferenczi zu Beginn der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts als auch neuere Auffassungen vorgestellt und mit einer Vielzahl von eigenen Therapieerfahrungen in Verbindung gebracht.
Dabei wird als Phänomen herausgearbeitet, das die konkrete Verknüpfung von verwirrenden Beziehungsinformationen für das Kind eine besonders perfide suggestive, strafende als auch paradox anspornende Beziehungskraft darstellt. Ein auf Liebe und Zuwendung ausgerichtetes Kind kann sich aufgrund der großen – zum Teil unterschwelligen – zum Teil wahrgenommen – psychophysischen Todesangst diesem Geschehen nicht entziehen.
Anhand von Selbsterfahrung und eindrücklichen Fallvignetten werden die aufgestellten Thesen erläutert und in der stufenweisen Ausformung zu schwerwiegenden Täterintrojekten dargestellt.
Abschließen sollen Behandlungsimplikationen den Vortrag abrunden und einige Minuten zur Diskussion bleiben.

 

Vita:
Dipl.-Psych. Irina Vogt aus Leipzig. Psychotraumatologin, Tiefenpsychologin, Analytische Körperpsychotherapeutin und EMDR-Therapeutin. Leiterin der Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie und des Trauma-Instituts-Leipzig. 12-jährige Tätigkeit als klinische Psychologin und Psychotherapeutin. Seit 1992 Niederlassung als psychologische Psychotherapeutin in Mecklenburg-Vorpommern / ab 2000 in Sachsen.
Behandlungskonzept für dissoziative Identitätsstörungen nach Huber (Kassel). Seit 2000 Mitentwicklung des Somatisch-Psychologisch- Interaktionalen Modells zur Behandlung Komplextraumatisierter u.a. Störungen (SPIM-20-KT als trauma- und körperorientiertes Einzel- und Gruppentherapiekonzept. Darin Beiträge zum Kreativspiel und Nutzung beseelbarer Therapieobjekte).

 

Literaturauswahl:
Vogt, R. (2004): Beseelbare Therapieobjekte. Strukturelle Handlungsinszenierungen in einer körper- und traumaorientierten Psychotherapie. Gießen: Psychosozial-Verlag (Monografie)
Vogt, R. (2007): Psychotrauma, State, Setting. Psychoanalytisch-handlungsaktives Modell zur Behandlung von Komplex-Traumatisierten u. a. Störungen (SPIM-20-KT). Gießen: Psychosozial-Verlag (Monografie)
Vogt, R. (Hrsg., 2008): Körperpotenziale in der traumaorientierten Psychotherapie. Aktuelle Trends in körperorientierter Psychotraumatologie, Hirnforschung und Bewegungswissenschaften. Gießen: Psychosozial Verlag (Sammelband)
Vogt, R. (2010): Ekel als Folge traumatischer Erfahrungen. Psychodynamische Grundlagen und Studien, psychotherapeutische Settings, Fallbeispiele. Gießen: Psychosozial Verlag (Sammelband)

16:55  kurze Pause sowie Buch-, CD-, Infostände
17:05

MoserDr. Tilmann Moser (Freiburg i.B., BRD)

 

Der Drache und der Berserker. Wie aus Schutzfiguren Täterintrojekte werden

Traumatisierte Kinder,  die sich ungeschützt, ohnmächtig und extrem verletzlich fühlen, können  unbewusst Schutzfiguren entwerfen, die Geborgenheit gegen die ständig drohenden Gefahren zu garantieren scheinen. Das bis zur Todesangst gefährdete Kind: liefert sich der mächtigen Figur aus, identifiziert sich, verschmilzt mi ihr. Sie nährt sich aus den Eigenschaften der Täter. Manchmal wird das Kind verdrängt, vergessen, ist nur noch in Spuren präsent, während nach außen der aggressive Panzer mit seinem Monopolanspruch auf das Kind dominiert.

 

Vita:
Dr. Tilmann Moser, Jg. 1938, Studium Literaturwissenschaft, Journalistik, Soziologie und Politologie. Ausbildung zum Psychoanalytiker am Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt/Main. 9 Jahre Assistent und Dozent für Psychoanalyse und Kriminologie am Fachbereich Jura an der Universität Frankfurt/Main. Seit 1978 Arbeit in privater Praxis in Freiburg i.B.. Arbeitsschwer-punkte: die Integration von Körperarbeit in die Psychoanalyse; die seelischen Nachwirkungen der NS-Zeit; die seelischen Nachwirkungen repressiver Religiosität.

 

Literaturauswahl:
Moser, T. (1993): Stundenbuch. Frankfurt/M.: Suhrkamp
Moser, T. (1997): Dabei war ich doch sein liebstes Kind. München: Kösel Verlag
Moser, T. (2001): Berührung auf der Couch. Frankfurt/M.: Suhrkamp
Moser, T. (2001): Dämonische Figuren. Frankfurt/M.: Suhrkamp

18:00

Abschlussstatements, Rückmeldungen der Teilnehmer

18:15

Veranstaltungsende

 

Sonntag, 19.06. – Montag, 20.06.2011

Postsymposium

Anderer Veranstaltungsort !: Leipziger Akademie, Leipziger Straße 36a, 04178 Leipzig

Colin RossRalf VogtGemeinsamer Seminarworkshop
Dr. Colin Ross – Dr. Ralf Vogt

Die Behandlung von Täterintrojekten bei komplextraumatisierten/dissoziativen Patienten – Methoden für Kopf und Bauch für Klinik und Ambulanz
Workshop-Teilnehmer können an einer interessanten Premiere eines amerikanisch-deutschen Gemeinschaftsworkshops teilnehmen. Colin Ross (USA) und Ralf Vogt (BRD) gestalten über zwei Tage einen themenbezogenen Workshop zum Gegenstand der Diagnostik und Behandlung von Täterintrojekten. Dabei zeigen Colin Ross und Ralf Vogt entsprechend ihrer verschiedenen Arbeitsansätze TMT (Ross, 2001, 2006, 2009) und SPIM-20-KT (Vogt, 2007, 2008, 2010) wie diese komplizierte Thematik professionell verstanden und angegangen werden kann. Beide Herangehensweisen ergänzen sich sowohl in partiellen ähnlichen als auch sehr verschiedenen Prozeduren.
Ähnlich scheinen vor allen die diagnostischen Hervorhebungen von intrapsychischen Zustandswechseln (States bzw. Stateswitches) in Abhängigkeit von äußeren Dialog oder Verhaltenstriggern und die besondere Berücksichtigung von psychotherapeutischer Anteilearbeit bei der Behandlung von komplextraumatisierten/dissoziativen Störungen.
Unterschiedlich sind dagegen eine Reihe von methodischen Details in der Psychoedukation, Psychostabilisierung und Psychotraumaexposition mit o.g. Patienten. Während im TMT-Ansatz zahlreiche beziehungsdialogische und kognitive Bearbeitungsstrategien ausformuliert und praktiziert werden, orientiert der SPIM-20-KT-Ansatz mehr auf triangulierende objektgestützte Symbolisierungsdialoge und handlungsbezogene interaktive Beziehungserforschungen sowie eine Kombination von einzel- und gruppentherapeutischen Arbeitssettings bei komplextraumatisierten /dissoziativen Patienten, in welchen auch eine Reihe von Rollenstrukturübungen zum Einsatz gelangen.
Beide Untersuchungs- und Behandlungsansätze haben hier Vor- und Nachteile, was sich grundsätzlich mit den verschiedenen Phänomenologien der z.T. sehr heterogenen Gruppe von komplextraumatisierten Patienten in Verbindung bringen lässt und entsprechend der Indikation professionell variiert werden sollte.
Colin Ross und Ralf Vogt erläutern anhand von Patientenbeispielen die unterschiedliche Effizienz der Ansätze in Abhängigkeit von der vorgefundenen Patientenproblematik. Beide Autoren ermuntern die Workshopteilnehmer aber auch die mehrdimensionalen Behandlungsproblematiken durchaus sehr flexibel und differenziert sehen zu lernen und gerade die noch unbekannten Methodikbausteine zu integrieren wie sie beide für die Behandlung der großen Gruppe von komplextraumatisierten/dissoziativen Patienten für unerlässlich halten.
Die methodischen Beispiele werden per Fallvignetten und DVD-Ausschnitte anschaulich zur Diskussion gestellt sowie einzelne Passagen der jeweiligen Settings als Rollenschema zur Übung für die Workshopteilnehmer angeboten.
Die Workshopteilnehmer sind dadurch eingeladen neuartige Eindrücke und Perspektivwechsel durch gestandene Praktiker zu erlangen, die sich nicht konkurrierend gegenüberstehen, sondern gleichsam um moderne effektive therapeutische Zugänge zur Behandlung von schwertraumatisierten Patienten ringen.
Abschließend können Workshopteilnehmer auf Wunsch auch eigene Behandlungsbeispiele vorstellen und zusammen mit den Workshopleitern nach neuen bzw. flexiblen Lösungswegen für ihre Fälle suchen.
Der gemeinsame amerikanisch-deutsche Workshop wird zweisprachig gehalten und jeweils für die anwesenden Teilnehmer ins Deutsche oder auch ggf. Englische durch Dolmetscher übersetzt.
Der Workshopinhalt ist so aufgebaut, dass sowohl Neueinsteiger als auch fortgeschrittene psychotherapeutische Kollegen als auch Forschungspersonale aus dem Bereich der Psychotrauma- und Dissoziationsforschung vom dargebotenen Workshopgegenstand profitieren können.

Zeit

Sonntag, 19. Juni 2011 – 1. Seminarworkshoptag

10:00

C. Ross: Einführung in das TMT-Modell für komplextraumatisierte /
dissoziative Störungen – Studienergebnisse

11:30

Kaffeepause

12:00

R. Vogt: Einführung in das SPIM-20-KT Modell für
komplextraumatisierte / dissoziative Störungen – Studienergebnisse

13:30

Mittagsimbiß vor Ort

14:30

C. Ross: Vorzüge und Grenzen des TMT-Modells in Abhängigkeit von
der Patientenindikation und der besondere Umgang mit Täterintrojekten

16:00

Kaffeepause

16:30

R. Vogt: Vorzüge und Grenzen des SPIM-20-KT Modells in Abhängigkeit
von der Patientenlernindikation und der besondere Umgang mit Täterintrojekten

18:15

Veranstaltungsende

 

Zeit

Montag, 20. Juni 2011 – 2. Seminarworkshoptag

9:00

C. Ross: Fallbeispiele im Längsschnitt sowie DVD-Ausschnitte
zum Vorgehen im TMT-Modell

10:30

Kaffeepause

11:00

R. Vogt: Fallbeispiele im Längsschnitt sowie DVD-Ausschnitte
zum Vorgehen im SPIM-20-KT Modell

12:30

Mittagsimbiß vor Ort

13:30

C. Ross: Praktische Übungen in Rollenspielsettings zur Arbeit im
klinischen und ambulanten Feld mit dem TMT-Ansatz

15:00

Kaffeepause

15:30

R. Vogt: Praktische Übungen in Rollenschematasettings zur Arbeit im
klinischen und ambulanten Feld mit dem SPIM-20-KT-Ansatz

17:00

Abschlussstatements der Seminarworkshopleiter C. Ross und R. Vogt

17:10

Veranstaltungsende

 

Kulturelles Leipzig - individuelle Entdeckungstour
Wir empfehlen einen Besuch im Gewandhaus, Schauspielhaus, Oper, Musikalische Komödie, Ballett, Varieté Krystallpalast oder in einem der fünf Leipziger Kabaretts u. v. a.