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Neuerscheinung

Veranstalter:

Trauma-Institut-Leipzig
Trauma-Institut-Leipzig an der Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie

Fortbildungszyklen für Traumafachberater und Psychotraumatherapeuten

Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie
Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie
(gemeinnützige Organisation)
Fortbildung in trauma- und körperorientierter schulenübergreifender Psychotherapie

Programm

Freitag, 14.06. und Samstag, 15.06.2019

Wir hoffen als Veranstalter, dass wir durch die breite Referentenpalette eine fruchtbare Lern- und Diskussionsatmosphäre erzeugen können. Wir wünschen uns als Veranstalter, dass durch diese Vielfalt sowohl Ihre Neugier als Teilnehmer als auch Ihr Interesse als KollegIn zur Integration von neuen Trends der Psychotraumatologie hervorgerufen wird.

Zeit

Freitag, 14.06.2019, 1. Vortragstag

12:00

Öffnung des Kongressbüros

13:00

Eröffnungsworte durch DP Irina Vogt

13:05

Prof. Martin DorahyProf. Martin Dorahy
Klinischer Psychologe und Professor der Psychologie an der University of Canterbury, Christchurch, New Zealand. Er ist derzeit Direktor des Ausbildungsprogramms für klinische Psychologie an der Universität. Seine klinische, theoretische und Forschungsinteressen betreffen unterschwellige Emotionen, insbesondere die Scham im Zusammenhang mit komplextraumatisierten dissoziativen Störungen. Prof. Martin Dorahy ist der Verfasser von über mehr als hundert Zeitschriftenartikeln und Bücherkapiteln und der Mitherausgeber von drei Büchern auf dem Gebiet der Psychotraumatologie. Er ist Mitglied der New Zealand Psychological Society, der New Zealand College of Clinical Psychologists und New Zealand Association of Psychotherapists, außerdem Vorstandsmitglied und derzeitiger Präsident der International Society for the Study of Trauma and Dissociation (ISSTD). Er behandelt in seiner klinischen Praxis vorrangig PatientInnen, die vorrangig an Spätfolgen von im Kindesalter erworbenen Beziehungstraumata leiden.

Einführungsvortrag: Scham, Dissoziation und Wiederholung bei komplextraumatisierten Störungen – im Überblick.
Dieser Vortrag gewährt Einblicke in die zentrale Bedeutung, die Scham bei komplextraumatisierten Störungen einnimmt und wie sie in Zusammenhang mit dem Wiederholungszwang und der Dissoziation steht. Dieser Überblick wird am nächsten Tag im Hauptvortrag erweitert. Frühkindliche Beziehungstraumata wirken sich auf das Selbstverständnis, das Selbstbild und die Selbstwirksamkeit aus und prägen so das autobiografische Gedächtnis. Die Entwicklung eines Ichs, das durch Scham und beschämende Erinnerungen bestimmt wird, macht einen Menschen immer wieder anfällig für weitere Täterübergriffe. Traumaklienten können daher nicht lernen sich als ein Individuum wahrzunehmen, das Schutz und Zuwendung verdient. Infolgedessen höhlt das Schamgefühl die Fähigkeit des Ichs aus, selbstbewusst aufzutreten und selbstschützend zu agieren. Der Vortrag konzentriert sich auf die Psychologie der Scham bei Komplextraumatisierten und ihre Relevanz für die von Vogts SPIM-Modell beschriebenen Schweregrade der dissoziativen Pathologie. 

13:30

Kurze Pause

13:35

Dr.rer.nat., Dipl.-Psychologe Ralf VogtDr.rer.nat., Dipl.-Psychologe Ralf Vogt
Psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis seit 1992, zertifizierter Psychotraumatologe, Psychoanalytiker, analytischer Körperpsychotherapeut, systemischer Familientherapeut und Therapeut für Katathymes Bilderleben. Achtjährige klinische stationäre Tätigkeit, Fachpsychologe der Medizin. Dr. Vogt ist Past-Boardmember der ISSTD – International Society for the Study of Trauma and Dissociation (Fellow Award - 2011 für besondere theoretische und praktische Beiträge im Fachgebiet und C. Wilbur Award 2017). Arbeit am eigenen Behandlungsprogramm für komplextraumatisierte/dissoziative Störungen seit 1996. Seit 2001 unter dem Titel SPIM-20- bzw. später SPIM-30-KT zusammen mit seiner Ehefrau. Ausbildungsleiter am Trauma-Institut-Leipzig sowie Lehr- und Kontrollanalytiker für verschiedene nationale Institute. Zahlreiche Artikel- und Buchveröffentlichungen zum Fachgebiet.

 

Einführungsvortrag: Scham und Schuld und der therapeutische Zugang mithilfe des SPIM 30-Behandlungsprogramms

Im Einführungsvortrag wird die klinische Bedeutung von Scham und Schuld bei Traumapatienten in der ambulanten Behandlung kurz skizziert. Hier zeigt sich immer wieder die grundlegende Verwurzelung dieser Thematiken mit frühkindlichen Traumathemen, wenn es sich, wie die Mehrzahl unserer Fallbeispiele, um von nahestehenden Menschen gemachte kumulative Gewalt in der in der näheren Lebensumwelt handelt.
Methodisch berücksichtigen eine Reihe von Settings des SPIM 30-Behandlungsmodells für dissoziative/komplextraumatisierte Menschen diese mentalen und seelischen Zugangsprobleme in der Spezifik therapeutischer Interventionen. Hierzu werden per Fotodokumentation Fallbeispiele gegeben.

14:00

Kurze Pause

14:05

Dr. Joanne TwomblyDr. Joanne Twombly
Psychoanalytikerin und EMDR-Traumatherapeutin in Boston (USA). Frau Twombly ist ein langjähriges international anerkanntes Mitglied der ISSTD und hat immer wieder Bausteine einer modernen psychoanalytischen Traumapsychotherapie entwickelt. Frau Dr. Twombly Autorin zahlreicher Fallartikel zur analytischen Psychotraumatologie.

 

Wenn Sie mich kennenlernen, werden Sie mich hassen

Im Rahmen einer Fallanalyse einer Klientin werden die vielen Facetten einer erlebten Schande beschrieben, die durch einen sadistischen sexuellen Missbrauch entstanden sind und in der psychotherapeutischen Behandlung eine gewichtige Rolle spielten. Anhand der Theorie von Nathansons Kompass werden die Teilnehmer die vier proklamierten Richtungen der Sturmwellen einer Scham nachvollziehen können, wie sie die Patient-Therapeut-Beziehung ergreifen und letztlich mit diesem theoretischen Kompass durchgearbeitet werden können.


14.30

Kurze Pause

14:35

Dipl.-Ing., Logopäde Robert RichterRobert Richter
Dipl. Ing.; Logopäde und zertifizierter Stottertherapeut des IVS, Traumafachberater des TIL im SPIM 30-Verfahren.s). Er arbeitet seit vielen Jahren intensiv auf dem Gebiet der Stottertherapie in Leipzig; gemeinsam mit A. Starke VIERMALFÜNF Intensive Intervalltherapie Stottern für Jugendliche und Erwachsene; mehrjährige Lehrtätigkeit zum Thema Redeflussstörungen. Er ist Vorstandsmitglied der Interdisziplinären Vereinigung der Stottertherapeuten IVS. Mit Ehefrau zusammen Leiter einer Logopädischen Praxis in Leipzig und Borna.

 

Schuld und Scham im Kontext von traumarelevanten Hochstresserfahrungen bei schwerem Stottern

Eigene Beobachtungen in der Stottertherapie zeigen, dass Patienten mit einer schweren Stottersymptomatik Hochstress-Symptome zeigen. Obwohl die Entstehung des Stotterns momentan kaum als Folge einer Traumatisierung angesehen wird, ist zu beobachten, dass der schwerwiegende und wiederholt eintretende stotterbedingte Kontrollverlust zu einer kumulativen traumarelevanten Hochstresserfahrung führen kann. Die daraus folgende Entwicklung negativer Emotionen, wie Schuld und Scham, aber auch Sozialphobien, Vermeidungsverhalten und Depressionen schränken die Lebensqualität der Betroffenen zum Teil erheblich ein. Im Vortrag soll der aktuelle Stand zur Theorie des Stotterns mit Erkenntnissen aus der Psychotraumatologie verknüpft werden. Therapeutische Interventionen werden skizziert und Bezüge zu Aspekten des SPIM30 Behandlungsmodells hergestellt.

15:00

Kaffeepause sowie Buch-, CD-, Infostände

15:30

Prof. George RhoadesProf. George Rhoades
Prof. Rhoades ist ein international anerkannter Spezialist für die Diagnostik und Behandlung von Akuttraumatisierten in den politischen und sozialen Krisenherden dieser Welt. ER betreut Projekte der WHO und ISSTD und hat sich u.a. in Ländern wie Sudan, Ruanda, Indonesien große Verdienste erworben. In diesem Zusammenhang hat er als praktizierender Katholik auch die Religionen und ethnischen Bräuche der o.g. Länder sowie in Bereichen Ozeaniens untersucht und in Veröffentlichungen beschrieben.

 

Scham, Schuld und Trauma: Interkulturelle Implikationen
Im Einführungsvortrag werden historische Definitionen zu den unterschiedlichen Blickwinkeln von verschiedenen Kulturen zu den Begriffen von Scham und Schuld schlaglichtartig beleuchtet und in diversen Akzentuierungen gegenübergestellt.
Es ist zum Teil verblüffend und auch wieder nachvollziehbar, wie die alltägliche Lebensweise und die Besonderheit des Lebensraumes Denken und Fühlen von Menschen in ihren sozialen Strukturen prägt und so verschiedenen Wertesysteme geschaffen werden, die man in der Therapie berücksichtigen muss.


16:00

Kurze Pause

16:05

Diplomsängerin, Diplomgesangpädagogin Monika TruttMonika Trutt
Diplom Sängerin, Diplom Gesangspädagogin,Traumafachberaterin.
Seit 2003 freischaffend und teilweise festangestellt als Gesangspädagogin tätig.
Sie unterrichtet klassischen wie auch popular Gesang.
Ihre Bühnentätigkeit führte sie in Engagements an Opernbühnen, aber auch zahlreiche Lieder und Arienabende zählen zu ihrem beruflichen Werdegang. Außerdem stand sie als Sängerin verschiedener Bands (Folk-Pop) auf der Bühne.
Nach der Ausbildung 2012 zur Traumafachberaterin nach SPIM 30 liegt der Schwerpunkt im Gesangsunterricht nicht nur in der reinen Stimmausbildung sondern auch auch im Erkennen und Beleuchten der Gründe für stimmliche Probleme und Blockaden unter dem Gesichtspunkt von traumatischen Erlebnissen.

 

Die eigene Stimme erklingen lassen – sich wahrnehmen und hörbar machen

Stimme entfalten und sich selbst zeigen. Das ist für Traumapatienten oft verboten, gefährlich und schambesetzt. Wir alle drücken uns über unsere Stimme aus. Über das was wir sagen, aber auch wie wir es sagen. Tonfall, Lautstärke, Stimmfarbe. In der Singstimme ist die Palette der Ausdrucksmöglichkeiten noch viel größer und intensiver als in der Sprechstimme. So zeigen sich Kraft, Selbstbewusstsein und die verschiedensten Emotionen beim Singen. Das nutzt der Profisänger auf der Bühne.
Aber auch Blockaden durch verschiedenste Traumatisierungen drücken sich über die Stimme aus.
Heiserkeit, zurückgenommene leise Stimme, gepresste Stimme, Angst vor dem Singen, Angst zu laut zu sein und ganz oft Scham sich so offen zu zeigen.
Dieser Vortrag zeigt die Chancen und Möglichkeiten der Arbeit mit der Stimme für Traumapatienten im Aufdecken/Entdecken eigener Themen und traumatischer Erlebnisse, aber auch zur Stabilisierung und Stärkung des Selbstwertgefühls.
So können beispielsweise anhand von SPIM 30-Anteilsarbeit in ihrem ganzen Spektrum, welche die Stimme mit einbezieht, aber auch das erkennen von Täterintrojekten im speziellen, Ursachen von stimmlichen Blockaden erkannt werden.

16:35

Kurze Pause

16:40

Mediengestalter Marco GüntherMarco Günther
1974 in Jena geboren, 1993 Abitur (Jena), 1998 Abchluss Tischlerausbildung (Thüringen), 2006 Abschluss Mediengestalterausbildung (BFW Leipzig), 2014 Bachelor of Science Psychologie (Universität Leipzig), 2014 Prüfung Traumafachberater (TIL Leipzig), seit 2016 Koordinator MännerHaus Leipzig (LEMANN e.V.)

 

Opfer sein für Anfänger

Äquivalent zu den seit Jahrzehnten bestehenden Frauenhäusern fördert der Freistaat Sachsen seit 2016 Männerschutzwohnungen, in denen Männer und ihre Kinder die Opfer von Gewalt im sozialen Nahraum geworden sind. Der Koordinator der Leipziger Einrichtung, berichtet über die Arbeit mit Menschen, die wenn sie eine solche Einrichtung aufsuchen, nur Schutz und Geborgenheit suchen, da sie diese in ihrem sozialen Gefüge nicht finden. Die Arbeit in einer Männerschutzwohnung gleicht ein wenig der in Auffanglagern, in denen das erste Mal ein "sicherer Ort" erreicht wird. Die Distanzierung zur Traumastruktur, ist oft der einzige gemeinsam vereinbarte Nenner in der Zusammenarbeit und wird durch die Täterbindung und die Wertesysteme der Täter die über Täterintrojekte ausagiert werden, durchgängig boykottiert. Der Umgang mit den Widersprüchlichkeit in der "eigenen" Idendität, Opfer geworden sein/Täterverhalten, Schwäche/Männlichkeit, hilflos sein/nicht ausgeliefert sein, abhängig sein/selbstständig sein äußert sich am deutlichsten in den Schwankungen der Wahrnehmung der eigenen Schuld und der Unterdrückung von Scham. Scham spielt dabei eine besondere Rolle, da es in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer keine anerkannte kognitive Repräsentanz gibt, in der Männer eine besondere Schutzbedürftigkeit zugestanden wird.
Die Arbeit mit Menschen in einer solchen Situation erfordert viel Fingerspitzengefühl im sozialarbeiterischen Umgang, Kenntnis über die täter-opfer-dialektischen Dynamiken und einem gut plazierten Minimaleinsatz von Methoden und Techniken, die den Betroffenen zur Orientierung dienen können.

17:10

Diskussion, Abschlussstatements

 

Zeit

Samstag, 15.06.2019, 2. Vortragstag

8:00

Öffnung des Kongressbüros

9:00

Prof. Martin DorahyProf. Martin Dorahy
Klinischer Psychologe und Professor der Psychologie an der University of Canterbury, Christchurch, New Zealand. Er ist derzeit Direktor des Ausbildungsprogramms für klinische Psychologie an der Universität. Seine klinische, theoretische und Forschungsinteressen betreffen unterschwellige Emotionen, insbesondere die Scham im Zusammenhang mit komplextraumatisierten dissoziativen Störungen. Prof. Martin Dorahy ist der Verfasser von über mehr als hundert Zeitschriftenartikeln und Bücherkapiteln und der Mitherausgeber von drei Büchern auf dem Gebiet der Psychotraumatologie. Er ist Mitglied der New Zealand Psychological Society, der New Zealand College of Clinical Psychologists und New Zealand Association of Psychotherapists, außerdem Vorstandsmitglied und derzeitiger Präsident der International Society for the Study of Trauma and Dissociation (ISSTD). Er behandelt in seiner klinischen Praxis vorrangig PatientInnen, die vorrangig an Spätfolgen von im Kindesalter erworbenen Beziehungstraumata leiden.

 

Teil2: Scham, Dissoziierung und Wiederholungsverhalten bei komplextraumatisierten Störungen: Wechselwirkungen, Fallbeispiele und Therapiebetrachtungen.
Im Hauptvortrag wird die Scham als besonders innerpsychologisches Thema vertieft und belegt, wie gerade durch Scham menschliche Kontaktrückzüge eingeleitet, Selbstisolationen forciert und Angriffe auf das eigene Selbst ausgelöst werden. Scham kann auch bewirken, dass andere Menschen angegriffen und somit eigene traumatische Erfahrungen wiederholt und ausgeweitet werden. Der innerpsychische Zweck besteht oft darin, die mit Schamgefühl verbundene Hilflosigkeit, Depressivität und Ohnmacht abzuwenden. Die Dissoziation hat dabei wahrscheinlich den Sinn Schamgefühle im Bewusstsein zu vermeiden. Dennoch kann die Dissoziationserfahrung selbst auch neue Schamgefühle auslösen, da das Individuum sich nicht in der Lage fühlt, seine Handlungen, Erinnerungen und Gefühle zu kontrollieren. Das kommt besonders in der therapeutischen Beziehung hervor. Dieser Vortrag beleuchtet die Dynamik bei Patienten, die komplexe, frühkindliche Beziehungstraumata erlebt haben. Es werden Fallbeispiele gezeigt, wo die dissoziative Scham das zwischenmenschliche Feld dermaßen stark beeinflusst, dass Patienten nur auf die eigene Handlungsschuld schauen und die Handlungsschuld eines anderen absolut nicht sehen können. Besondere Bedeutung hat hier auch die therapeutische Interaktion, in der diese Thematiken aufgedeckt, erinnert und durchgearbeitet werden müssen.

10:00

Kurze Pause

10:05

Dr.rer.nat., Dipl.-Psychologe Ralf VogtDr.rer.nat., Dipl.-Psychologe Ralf Vogt
Psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis seit 1992, zertifizierter Psychotraumatologe, Psychoanalytiker, analytischer Körperpsychotherapeut, systemischer Familientherapeut und Therapeut für Katathymes Bilderleben. Achtjährige klinische stationäre Tätigkeit, Fachpsychologe der Medizin. Dr. Vogt ist Past-Boardmember der ISSTD – International Society for the Study of Trauma and Dissociation (Fellow Award - 2011 für besondere theoretische und praktische Beiträge im Fachgebiet und C. Wilbur Award 2017). Arbeit am eigenen Behandlungsprogramm für komplextraumatisierte/dissoziative Störungen seit 1996. Seit 2001 unter dem Titel SPIM-20 bzw. später SPIM-30 zusammen mit seiner Ehefrau. Ausbildungsleiter am Trauma-Institut-Leipzig sowie Lehr- und Kontrollanalytiker für verschiedene nationale Institute. Zahlreiche Artikel- und Buchveröffentlichungen zum Fachgebiet.

 

Teil 2: Die Selbstattribuierung von Scham und Schuld und Bewältigungschancen in der Traumatherapie
Aufbauend auf den Einführungsvortrag vom Freitag sollen hier Bedeutung und Behandlung von Scham und Schuld mithilfe von SPIM 30-Settings bei Psychotraumapatienten umrissen werden. Kern des Hauptvortrags ist darüber hinaus die eigene Erforschung von Scham und Schuld durch eine Befragungsstudie an Therapieanfängern und –fortgeschrittenen Klienten verschiedener Diagnosegruppen. Dabei zeigen sich Gemeinsamkeiten der subjektiven Beurteilung traumatischer Ereignisse bei von nahestehenden Menschen gemachter Gewalt bei allen Diagnosegruppen. In Abhängigkeit von verschiedenen Diagnosegruppen zeigen sich aber auch in den Therapiestadien interessante Unterschiede in Bezug vertiefter Therapieeinsicht zu Scham und Schuld. Außerdem führen offenbar unterschiedliche Schwere und der Spezifik von psychotraumatischen Früherfahrungen sowohl zu depressiv-selbstzerstörerischen Rückzügen als auch zu paranoiden Vermeiden sozialer Beziehungen oder zu aggressiven Abwehrattacken. Hierzu sollen die ersten Forschungsergebnisse der Pilotstudie mit Interventionsmöglichkeiten in Verbindung gebracht werden.

11:05

Kaffeepause sowie Buch-, CD-, Infostände

11:30

Dr. Joanne TwomblyDr. Joanne Twombly
Psychoanalytikerin und EMDR-Traumatherapeutin in Boston (USA). Frau Twombly ist ein langjähriges international anerkanntes Mitglied der ISSTD und hat immer wieder Bausteine einer modernen psychoanalytischen Traumapsychotherapie entwickelt. Frau Dr. Twombly Autorin zahlreicher Fallartikel zur analytischen Psychotraumatologie.

 

Die Entstehung und Aufrechterhaltung von Scham und dessen Behandlung von Sexualmissbrauch überlebenden Erwachsenen

Kinderschänder tun alles, um sicherzugehen, dass sie nicht erwischt werden, damit sie weiterhin ein Kind oder mehrere Kinder missbrauchen können und so ein langfristiges Leiden der Opfer erzeugen. Die Schaffung und Aufrechterhaltung von Schande ist ein Schlüsselelement in diesem Prozess. Für den Heilungsprozess des Opfers ist es wichtig, dass Psychotherapeuten genau verstehen, wie Täter die normalen Schamreaktionen eines Kindes verwenden und wie Täter versuchen, zusätzliche Schamgefühle hinzuzufügen, um so das Fortsetzen des sexuellen Missbrauchverhaltens für sich selbst garantieren und vertuschen zu können. Diese Präsentation erläutert die Glaubenssysteme der Täter und die Auswirkungen ihrer Manipulationen. Außerdem werden die interaktiven Wechselwirkungen auf die Opfer und deren Selbstwert-, Glaubens- und Wertehierarchien diksutiert und Implikationen für die erfolgreiche Erwachsenenpsychotherapie abgeleitet.

12:30

Mittagsimbiß vor Ort sowie Buch-, CD-, Infostände

13:30

Diplompsychologin Irina VogtDr. med. Oliver Bilke-Hentsch MBA
Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie FMH, Vertrauensarzt SGV, Forensische KJPP, Mitautor der S3-AWMF-Leitlinien Alkohol und Tabak und Autor und Herausgeber mehrerer Fachbücher und wissenschaftlicher Artikel u.a. zum Thema Internet- und Mediensucht sowie Aggressivität/Forensik. Er ist Mitbegründer der OPD-KJ, Chefarzt und Stv. Geschäftsleiter der Modellstation SOMOSA in Winterthur (CH) und Coach und Supervisor in eigener Praxis in Zürich (CH).

 

Mentalisierung von aversiven Affekten bei traumatischen Persönlichkeitsveränderungen in der stationären Psychotherapie

Aggressivität und Impulsivität sind vor allem bei jungen Männern häufig die Präsentiersymptomatik einer letztlich posttraumatisch zu verstehenden Pathologie. Dissoziative Zustände als Abwehrmechanismus beziehungsweise Strukturmerkmal insbesondere bei aggressiven und sexuellen Triebspannungen sind seit vielen Jahrzehnten bekannt. In der heutigen Zeit führt die selbstverständliche Verfügbarkeit von impulsivitäts- und aggressivitätsreduzierenden Mechanismen (Cannabis) bzw. modulierenden Mechanismen (Computer-Gaming, Social Media etc.) dazu, dass viele dieser Verhaltensweisen klinisch erst zu einem späten Zeitpunkt auftauchen. Wenn sie dann offenkundig werden, sind die Scham- und Schuldgefühle besonders hoch und müssen in der Therapie berücksichtigt werden. Die stationäre Langzeittherapie chronisch verlaufender posttraumatischer Fälle erfordert daher eine spezifische Differenzialdiagnostik auch der verborgenen Affekte und ein psychodynamisch orientierte Indikationsstellung, da die Patienten häufig bereits mehrere Therapieansätze mit standardisierten Methoden (DBT, EMDR etc.) hinter sich haben. Das spezifische intersystemische Langzeitsetting der Modellstation SOMOSA mit gut ausfinanzierten Therapiemöglichkeiten bis zu 1 ½ Jahren ist hier ein Ansatz im Spannungsfeld von bereits in der Adoleszenz chronifizierten Störungen.

14:30

Kaffeepause sowie Buch-, CD-, Infostände

14:50

Prof. George RhoadesProf. George Rhoades
Prof. Rhoades ist ein international anerkannter Spezialist für die Diagnostik und Behandlung von Akuttraumatisierten in den politischen und sozialen Krisenherden dieser Welt. ER betreut Projekte der WHO und ISSTD und hat sich u.a. in Ländern wie Sudan, Ruanda, Indonesien große Verdienste erworben. In diesem Zusammenhang hat er als praktizierender Katholik auch die Religionen und ethnischen Bräuche der o.g. Länder sowie in Bereichen Ozeaniens untersucht und in Veröffentlichungen beschrieben.

 

Teil2: Scham, Schuld und Trauma: Interkulturelle Implikationen
Aufbauend auf den Einführungsvortrag sollen wichtige Unterschiede der interkulturellen Sichtweisen von Scham und Schuld dem Auditorium erläutert werden. Berichtet wird auf der Grundlage von 30-jährigen Erfahrungen auf dem Gebiet der Betreuung von Traumapatienten in Krisenherden dieser Welt. Dadurch kann von kulturellen Unterschieden in den Begrifflichkeiten, Zusammenhängen sowie Metaphern von Scham und Schuld referiert werden, wodurch unser westlich geprägter Horizont erweitert und auch unser Psychotraumaverständnis auf interessante Weise vertieft werden kann.
Fallvignetten aus der Begegnung mit Krisenhelfern als auch zahlreichen Patienten in Afrika und Asien sollen für die Zuhörer – neben einigen Fotos – diese Sachverhalte und psychosozialen Rahmenkontexte illustrieren und zur Diskussion mit dem Auditorium im Nachgang anregen. Therapeutische Implikationen ergeben sich dadurch quasi von selbst, wenn wir andere Werte- und Glaubenssysteme verstehen, wodurch auch Traumakontexte mitgeprägt werden.


15:50

Kurze Pause

15:55

Diplompsychologin Irina VogtDiplompsychologin Irina Vogt
Psychologische Psychotherapeutin in eigener Praxis seit 1992. Zertifizierte Psychotraumatologin, Tiefenpsychologin, Gruppentherapeutin. Ausbildung in analytischer Körperpsychotherapie und kreativer Spieltherapie. Zwölfjährige klinische Tätigkeit in ambulanter Poliklinik. Fachpsychologin der Medizin. Spezialistin für dissoziative Störungen seit 1995 und Mitglied in nationalen und internationalen Fachverbänden. 2011 bekam sie den Fellow Award der ISSTD (International Society for the Study of Trauma und Dissociation) für herausragende theoretische und praktische Beiträge. Mitentwicklung des hauseigenen Behandlungsprogramms SPIM-20- bzw. später SPIM-30-KT seit 2001 zusammen mit ihrem Ehemann. Ausbildungsleiterin am Trauma-Institut-Leipzig sowie für nationale und internationale Institute.

 

Existenzielle Scham nach der existenziellen frühen Vernichtung

Zu Beginn des Vortrages sollen theoretische analytische Vorbetrachtungen zur Scham in der Thematik einstimmen helfen. Es zeigt sich, dass alte, zum Teil wenig diskutierte traditionelle Konzepte, eine sehr gute Substanz auch für die heutigen Diskussionen bieten.
Im Mittelpunkt der weiteren Darstellungen soll ein Fallbericht mit Theorie und Praxis zur existenziellen Scham ausführlich erläutert werden. Dabei ist der Traumabericht eines frühkindlich psychisch schwer geschädigten und körperlich und sexuell gewaltsam misshandelten Mannes der rote Faden des Vortrages. Für Zuhörer ist es oft unglaublich und schwer vorstellbar, wie grausame Dinge im engsten Kreis einer geschlossenen Familie geschehen können, die nach außen für Nachbarn sozusagen unauffällig bleiben.
Diese quasi verrückt machende Parallelität von Grausamkeit und Banalität wird als wichtiger Faktor der Chronifizierung der existenziellen Scham mit hoher Selbstentwertung benannt.

16:55

Kurze Pause

17:00

Diskussion, Abschlussstatements

17:30

Veranstaltungsende