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Veranstalter:

Trauma-Institut-Leipzig
Trauma-Institut-Leipzig an der Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie

Fortbildungszyklen für Traumafachberater und Psychotraumatherapeuten

Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie
Akademie für Ganzheitliche Psychotherapie
(gemeinnützige Organisation)
Fortbildung in trauma- und körperorientierter schulenübergreifender Psychotherapie

Exposé

Scham und Schuld sind für jeden Menschen belastende Gefühle des Alltags von der Geburt bis zum Tod.
Aber gerade im Bereich von zwischenmenschlichen Traumatisierungen werden diese Themen in auffälliger Art und Weise Schlüsselgefühle von seelisch geschädigten und traumatisch misshandelten Menschen. Dabei treten beide Gefühlsqualitäten meist zusammen auf. Scham ist dabei mehr das existenzielle Gefühl ohnmächtig unterlegen und gedemütigt zu werden. Schuld ist dagegen ein Gefühl von Resignation bezüglich der unzureichenden Eigenwirksamkeiten in einem zwischenmenschlich bedeutsamen Kontext als auch das Gefühl von erlebter oder/und zugewiesener Verantwortlichkeit für einen für das Subjekt bedauernswerten Vorfall.
Traumatische Scham und Schuld gelten in der Traumapsychotherapie als besonders schwierige Formen kaum auflösbarer Gefühle des Herabgewürdigtseins sowie verzweifelter Ohnmacht nicht nach Kräften gehandelt zu haben u.ä.
Es gibt nicht viel Experten in der Traumapsychotherapieszene, welche sich diesen theoretisch komplizierten und therapeutisch schwer zu behandelnden Stoff zu eigen gemacht haben. Das Trauma-Institut-Leipzig hat sich drei Jahre lang bemüht international Fachleute zu finden, die diesem Expertenstatus gerecht werden und unserem Kongress mit mutigen Thesen sowie fundierten Praxisbeispielen bereichern können. Natürlich haben wir auch selbst in der vergangenen Zeit verstärkt zu diesem Thema gearbeitet und eine Forschungserhebung mit unseren Klienten durchgeführt, um neue Erkenntnisse zu gewinnen.
Wir hoffen, dass wir Sie, ob therapieerfahren oder neu in diesem Bereich oder einfach als interessierter (aber belastbarer) Laie, für dieses Thema werben und Sie wie immer im kulturellen Rahmen der internationalen Bachfesttage 2019 nach Leipzig einladen können.
Die Anmeldung ist vollständig ab Herbst 2018. Dann können Sie das komplette Programm sowie alle Kostenangebote studieren und auswählen.

Ihre DP Irina und Dr. Ralf Vogt sowie das Team des Trauma-Institut-Leipzig

Hauptreferenten

Prof. Martin DorahyProf. Martin Dorahy (Neuseeland) ist Past-President der Internationalen Gesellschaft für Trauma und Dissoziation (ISSTD), Psychologe, Psychotherapeut und Universitätsprofessor im Fachbereich für klinische Psychologie der Universität Christchurch (Neuseeland).
Prof. Dorahy beschäftigt sich seit ca. einer Dekade intensiv mit dem Tagungsthema und hat dazu vielfach Forschungsstudien ins Leben gerufen. Martin Dorahy wird auf dem Kongress sowohl zu seiner Theorie der traumatischen Scham als auch zu Fallstudien sprechen, die seine Forschungsergebnisse zur exponierten Stellung von Scham und Schuld bei dissoziativen Traumafolgestörungen unterstreicht und dafür Erklärungen anbietet.
In seinen Ausführungen wird deutlich, dass Scham und Schuld oft sehr früh in den Beziehungs- und Bindungserfahrungen eines Kindes angelegt werden. Das Bewusstmachen dieser traumatischen Defizite ist schwierig und die Psychodynamik in der Therapie häufig widersprüchlich für Behandler und Klient. Dafür werden Lösungswege aufgezeigt.

Dr. Joanne TwomblyDr. Joanne Twombly ist langjährige Psychoanalytikerin und EMDR-Traumatherapeutin in Boston (USA). Frau Twombly ist ein langjähriges international anerkanntes Mitglied der ISSTD und hat immer wieder Bausteine einer modernen psychoanalytischen Traumapsychotherapie entwickelt. Sie ist eine fundierte Praktikerin und wird aus ihrem jahrzehntelangen Erfahrungsschatz anhand von Fallbeispielen wichtige grundsätzliche Herangehensweisen in der Behandlung von Scham und Schuld aufzeigen und ihre Konzeption zur Diskussion stellen. Dabei zeigt sich, dass bei sexueller Gewalt bei Kindern oft sehr ähnliche Schlüsselmuster der Psychotraumagenese durch die Täterpersonen angewendet werden. Kinder können solcherart verwirrende Raffinesse nicht durchschauen. Hilfreich zum Verstehen von Scham und Schuld für Therapeuten sind dabei die vier Dimensionen von Nathanson Kompass der Scham. Für die Behandlung werden sinnvolle Ableitungen getroffen.

Prof. George RhoadesProf. George Rhoadesist wie seine o.g. Kollegen ein international renommiertes Mitglied und über viele Jahre eine Leitfigur der ISSTD. Seine Spezialität sind interkulturelle Vergleiche als Psychotraumatologe der Akuthilfe in verschiedenen, zentralen Hilfsprojekten weltweit. Große Verdienste hat sich Prof. Rhoades in der Akutversorgung in Projekten in Afrika (z.B. Sudan, Ruanda u.a. Krisenherde) erworben.
Prof. Rhoades kennt die begrifflichen und kulturellen Unterschiede in der Auffassung und im Umgang mit Scham und Schuld. Vorteilhaft sind dazu auch seine eigenen Kenntnisse der Religion als Katholik und Anhänger schamanischer Bräuche seiner Lebensumwelt in Hawaii und anderer Minoritäten in Ozeanien. Prof. George Rhoades wird in seinen Vorträgen die begrifflichen und phänotypischen Unterschiede von Scham und Schuld auf den verschiedenen Kontinenten (Asien, Afrika, Mittlerer Osten, Ozeanien) in Vergleich zu den Industrienationen (Europa, Amerika, Japan) exemplarisch erläutern und seinen Umgang mit diesen Herausforderungen beschreiben.

Diplompsychologin Irina VogtDiplompsychologin Irina Vogt ist seit über 30 Jahren Psychotherapeutin und arbeitet seit über 20 Jahren im Bereich von hochdissoziativen Traumafolgestörungen. Zusammen mit Ihrem Mann hat sie das Trauma-Institut-Leipzig gegründet und vermittelt das mit Ihrem Mann kreierte SPIM 30 Behandlungsprogramm für traumatherapieinteressierte Fachkollegen, wobei ihre Orientierung in der kreativen Spieltherapie für Kinder sowie in der Behandlung von folterprogrammierten KlientInnen liegt. Irina Vogt wird auf dem Kongress Ihre interessanten Fallbeispiele zum Thema von Scham und Schuld vorstellen sowie die dazu eingesetzten SPIM-30-Behandlungssettings erläutern. In Ihren Analysen ist die Entstehung von Scham und Schuld z.T. sehr tief und weit in die Entwicklung des Menschen – bis in den pränatalen Kontext – begründet. Gerade diese unbewusste Verankerung hat eine überraschend breite Auswirkung auf viele Problematiken der Patienten in einer z.T. therapieresistenten Gegenwart, in die sich sowohl TherapeutInnen als auch KlientInnen hineinarbeiten müssen.

Dr.rer.nat., Dipl.-Psychologe Ralf VogtDr.rer.nat., Dipl.-Psychologe Ralf Vogt ist ebenfalls seit mehr als 30 Jahren Psychotherapeut und wie seine Frau ca. 20 Jahre im Bereich von schweren Psychotraumafolgestörungen tätig. Über das SPIM-Therapiemodell, welches heute in der überarbeiteten Version SPIM-30 vorliegt, hat er inzwischen über 10 Fachbücher herausgegeben und zum Teil monografisch verfasst. Dr. Vogt hat zum Tagungsthema wieder eine interessante Untersuchung des Trauma-Institut-Leipzig ins Leben gerufen und wird mit diesen flankierenden, aktuellen Erkenntnissen theoretische und praktische Zusammenhänge zu psychotraumatisch geprägter Scham und Schuld vortragen. Darüber hinaus wird er auch einige interessante Fallbeispiele zu diesem Thema mit den genutzten Behandlungsvarianten aus SPIM-30 anschaulich erklären, um so Kollegen Anregungen zu vermitteln. In diesen Fallanalysen geht es auf sehr unterschiedliche Art um Aspekte des kindlich-magischen Traumabegriffes von Scham und Schuld sowie um täterintrojiziertes und –implantiertes Scham- und Schuldgewissen. Gerade diese frühen begrifflichen Formen des Durcharbeiten benötigen die sehr anschaulichen, beseelten Strukturhilfen der SPIM 30-Settings für ein erstes Aha-Erleben und eine Stimulierung von Probelösungen.

Referenten – Ausgebildete Traumafachpraktiker des TIL

Dipl.-Ing., Logopäde Robert RichterDipl.-Ing., Logopäde Robert Richter ist zertifizierter Stottertherapeut des IVS, Traumafachberater des TIL im SPIM 30-Verfahren.
Viele Projekte zur Stottertherapie wie VIERMALFÜNF mit A. Starke und Lehrtätigkeit zum Thema der Redeflussstörungen. Mit Ehefrau zusammen Leiter einer Logopädischen Praxis in Leipzig und Borna.
Herr Richter wird zu Scham und Schuld im Kontext von traumarelevanten Hochstresserfahrungen bei schwerem Stottern sprechen. Obwohl die Entstehung des Stotterns momentan kaum als Folge einer Traumatisierung angesehen wird, ist zu beobachten, dass der schwerwiegende und wiederholt eintretende stotterbedingte Kontrollverlust zu einer kumulativen traumarelevanten Hochstresserfahrung führen kann. Die daraus folgende Entwicklung negativer Emotionen, wie Schuld und Scham, aber auch Sozialphobien, Vermeidungsverhalten und Depressionen schränken die Lebensqualität der Betroffenen zum Teil erheblich ein. Im Vortrag soll der aktuelle Stand zur Theorie des Stotterns mit Erkenntnissen aus der Psychotraumatologie verknüpft werden. Therapeutische Interventionen werden skizziert und Bezüge zu Aspekten des SPIM30 Behandlungsmodells hergestellt.

Diplomsängerin, Diplomgesangpädagogin Monika TruttDiplomsängerin, Diplomgesangpädagogin Monika Trutt ist Traumafachberaterin im SPIM 30-Verfahren. Seit 2003 freischaffend und in Anstellung. Engagements an Opernbühnen, Arienabende und Auftritte in Folk- und Popbands.
Im Vortrag wird Frau Trutt Beispiele von traumatisierten Klienten vorstellen, bei denen sie im Rahmen des Gesangsunterrichts traumaberaterische Techniken anwendet. Das verbessert sowohl den Gesangsausdruck der Klienten als auch deren traumapsychologische Selbstwahrnehmung deutlich, da sich Traumatisierungen auch über die Stimmführung ausdrücken. Heiserkeit, zurückgenommene leise Stimme, gepresste Stimme, Angst vor dem Singen, Angst zu laut zu sein und ganz oft Scham sich so offen zu zeigen sind Arbeitsthemen im pädagogischen Alltag.
Dieser Vortrag zeigt die Chancen und Möglichkeiten der Arbeit mit der Stimme für Traumapatienten im Aufdecken und Entdecken eigener Belastungsthemen und bei der Stabilisierung und Stärkung des Selbstwertgefühls. So kann anhand von SPIM 30-Anteilsarbeit, welche die Stimme anteilsdifferenziert in Verbindung zu möglichen Störungsstates (wie Täterintrojekten) mit einbezieht, Ursachen von stimmlichen Blockaden erkannt und erfolgreich behandelt werden.

Mediengestalter Marco GüntherMediengestalter Marco Günther ist gleichfalls gelernter Tischler, BS Psychologe, SPIM 30-Traumafachberater und derzeit sozialarbeiterisch als Koordinator im ersten Männerhaus in Leipzig tätig. In seinem Vortrag wird Herr Günther von dieser Arbeit mit geschlagenen und verunsicherten Männern berichten, was man als Äquivalent zur bekannten Frauenhausarbeit vorstellen kann und doch andere Spezifika aufweist. So spielen Schamgefühle bei bspw. von Frauen geschlagenen Männern soziokulturell eine viel größere Bloßstellungsrolle. Versagensängste und Hilfebedürftigkeit sind ebenfalls bei Männern äußerst negativ in der Selbstbeurteilungsskala anzusetzen. Wie sanft, beherzt und nachhaltig mit diesen bindungs- und beziehungstraumatisierten Männern umgegangen werden muss, wird im Werkstattbericht durch den Referenten fallbezogen erläutert.

Wir hoffen Ihr Interesse geweckt zu haben und freuen uns auf Ihr Kommen.
DP Irina Vogt und Dr. Ralf Vogt